Hermes Statue


Bericht zur Restaurierung und Konservierung der Hermesfigur.


Herkunft:

Die Figur soll sich als Giebelfigur auf einem Haus an den Vorsetzen befunden haben. Entstehungszeit sind vermutlich die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Figur auf einem eingeschossigen Lagerhaus an den Vorsetzen aufgestellt.
Dieses Gebäude wurde im Rahmen des Eigentumüberganges an Gruner und Jahr
abgerissen. Die sich auf dem Dach befindliche Hermesfigur wurde geborgen.
Auf der neu entstehenden Rasenfläche vor dem Gruner & Jahr Gebäude sollte diese Figur neu präsentiert werden.


Überlegungen zur Präsentation:

Der durch einen Künstler vorgelegte erste Entwurf wurde verworfen. Dieser Künstler sah im zu entwerfenden Sockel ebenfalls ein Kunstwerk, was zu einer Neuinterpretation der historischen Giebelfigur geführt hätte. Es hätten sich 2 künstlerische Interpretationen in ihrer Aura gegenseitig behindert.
Nah neuen Überlegungen entschied man sich für einen schlichten Sockel aus Granit aus Bohuslän in Schweden .
Dieser Sockel mit quadratischem Grundriss verjüngt sich leicht in der Höhe, so dass das Auge
keine stürzenden Linien wahrnimmt.


Zustand vor der Restaurierung/Konservierung:

Die Figur präsentierte sich mit einem silbernen Anstrich mit einer darunter befindlichen grauen Grundierung mit partiellen Unterrostungen.
Die Figur hatte zahlreiche Reparaturschweißungen zum Beispiel am Knöchel des Standfußes,
im Kniebereiches des Schwungbeines und ebenfalls am emporgereckten Arm.
Diese Schweißungen sollten wohl Bruchschäden beseitigen.
Die Schweißungen waren nicht fachgerecht ausgeführt.
Unterhalb der Sockelplatte befindet sich ein umlaufender Rand, anscheinend eine spätere Ergänzung, zur Montage auf dem Dach des Lagerhauses in den 50er Jahren
Als These stelle ich auf, das die Figur infolge Bombenschäden im 2.Weltkrieg beschädigt wurde und in der Nachkriegszeit wieder zusammengesetzt wurde.



Restaurierung / Konservierung

Konzept:

Die Figur sollte in einem für das Material Grauguss typischen anthrazitfarbenen Farbton gezeigt werden. Die diversen Grundierungsschichten verdeckten die narbige Gussstruktur und zum Teil auch die vom Künstler modellierten Unebenheiten in der Oberfläche.
Die Farbschichten sollten deshalb bis auf die Metalloberfläche entfernt werden.
Anschließend sollte ein Korrosionsschutz aufgebracht werden.
Die Reparaturschweißungen sollten zunächst einer optischen Prüfung unterzogen werden.
Bei Verdacht auf eine nicht fachgerechte Schweißverbindung sollte eine weitergehende Untersuchung erfolgen mittels Röntgenverfahren und magnetisch angeregter UV Licht-Spektroskopie.
Der unter die Sockelplatte untergeschweißte Sockelkasten aus nachträglich angebrachten
Seitenplatten sollte entfernt werden.
Die Sockelplatte sollte mit 4 Metallstäben zum Verankern in dem Steinsockel versehen werden.


Maßnahmen:

Zunächst wurde die Farbe und die zahlreichen Grundierungsschichten entfernt. Herkömmliche Methoden wie Natronlauge oder lösemittelhaltige Abbeizer brachten keine brauchbaren Ergebnisse. Zum einen, da die Grundierung anscheinend säure- und laugenbeständig war, und sich so nicht anlösen ließ. Zum anderen, da die Lösemittel in den heute zur Verfügung stehenden Abbeizern nicht mehr aggressiv genug sind, um den Farbfilm zu lösen. Zur Wahl stand dann noch das Strahlverfahren mit z.B. Korundmaterial. Dieses Verfahren schied aber aus, da durch das Strahlen die Struktur der Gussoberfläche verändert worden wäre. Die künstlerische Aussage in der modellierten Oberfläche wäre verändert worden. Außerdem wäre beim Strahlen der Lack erwärmt worden und hätte sich noch dichter in die porige Oberfläche der Gussstruktur eingeformt.
Somit blieb als Verfahren nur das Strahlen mittels Trockeneis. Bei diesem Verfahren wird die metallene Oberfläche nicht verändert. Durch den Beschuss mit dem Trockeneis wird der Lackfilm stark heruntergekühlt und dadurch spröde. Somit war dieses Verfahren zur Abnahme des Farbaufbaues das schonendste zur Erhaltung der Gussstruktur. Trotz der geschilderten Vorzüge blieben auch beim Strahlen mit Trockeneis Reste der Farbe in den tiefen Poren. Hier musste mit einem Lösemittelabbeizer der Lackfilm aufgeweicht werden, um anschließend mit Trockeneisstrahlen die Farbe zu entfernen. Nach dem Entfernen der Farbe erfolgte die Sichtprüfung durch einen Metallbauingenieur. Das Ergebnis dieser Sichtprüfung lies eine fehlerhafte Schweißverbindung vermuten. Deshalb fertigte die Fa. Blohm und Voss Röntgenaufnahmen der Reparaturstellen an. Ebenfalls wurden magnetisch angeregte UV Spektroskopieaufnahmen der Schadstellen angefertigt. Die Aufnahmen ergaben eine fehlerhafte Schweißung im Knöchelbereich des Standfußes, ebenfalls eine fehlerhafte Schweißung im Kniebereich des Spielbeines und eine fehlerhafte Schweißung von geringem Ausmaß am nach oben gestreckten Arm. Für eine Reparaturschweißung benötigt man die Angaben über die Zusammensetzung des Metalls. Nach einer Probenentnahme wurde durch die Fa. MAN Repair ein Analysebericht gefertigt mit dem Ergebnis: Grauguß mit einem hohen Kohlenstoffanteil. Es gibt nur wenige Experten, die in der Lage sind, Grauguss zu schweißen. Diese Arbeit hat ein Schweißtechniker der Fa. MAN Turbine durchgeführt. Nun wurde die Metallstruktur in den Reparaturbereichen durch Punzen der Struktur der originalen Oberfläche angeglichen. Die rostigen Partien wurden mechanisch ohne Maschinenhilfe mit dem Skalpell entfernt, um die Gussstruktur zu schützen. Anschließend wurden die geschweißten Nähte durch die Fa. Blohm und Voss erneut geröntgt und die Festigkeit der neuen Schweißverbindung festgestellt. Nun wurden die 4 Stehbolzen montiert, die als Verankerung in den Granitsockel ragen und in diesem vergossen sind. Diese Stehbolzen sind 200mm lang und mit Gewinde M18 in Edelstahl. In die Sockelplatte wurden Gewinde geschnitten, die Bolzen hineingedreht und anschließend mit Hartlot die Gewinde vergossen. Nun erfolgte die Retusche und Oberflächenbehandlung der Figur.
In den Reparaturbereichen musste, bedingt durch das Schweißmittel Nickel, der silbrige metallische Glanz zu einem antrazithfarbenen Farbton retuschiert werden. Dieses erfolgte mit Pigmenten, die in Zwischenlagen abgedeckt wurden. Anschließend wurde die Figur erwärmt und mit einem zweimaligen Schutz mit einem schwach pigmentierten Kriechöl nach eigener Rezeptur versehen. Als abschließender Oberflächenschutz wurde ein Cosmoloidwachs aufgetragen. Dieses Wachs sollte jährlich in Augenschein genommen und mindestens alle 2 Jahre erneuert werden.


Ergebnis:

Die statische Festigkeit ist gewährleistet
Die Figur zeigt einen antrazithfarbenen Ton mit einem matten Glanz.
Im Kontext der vielen umgebenden Metalloberflächen, z.B.
das Denkmal von Lindley unter dem U-Bahnviadukt, das U-Bahnviadukt selber und
die Zinkblechoberflächen des Gruner und Jahr-Gebäudes zeigt die Hermesfigur einen authentischen Farbton und fügt sich harmonisch in die Umgebung ein.


Die Arbeiten wurden durch das Atelier Burchard & Seyer ausgeführt.